Freitag, 19. April 2013

Claire Shaeffer was here

In honour of the great Claire Shaeffer I've decided to write my first posting in English. Please, forgive my poor language skills.....
About a week ago Claire sent me an e-mail announcing she would come to Vienna and would like to meet me. What? ME? CLAIRE SHAEFFER? I nearly fainted! She introduced herself "I am a sewing expert and author; my area of expertise is the haute couture. The designers I know best are Chanel, YSL, and Dior." As if I hadn't known.....
Of course I revised my schedule and so we met at her hotel and TALKED almost immediately about fashion, couture, tailoring, business. After three hours we felt obliged to have a little tour de Vienne. I mean, wouldn't it be a bit embarassing if she'd been with an aborigine and had only seen her hotel's lobby?
So we had a little walk while we still were talking. I made some stupid mistakes telling her that in the old days there were couches in the courtyards (instead of coaches) and I mispronounced angle so that it sounded like ankle. But Claire is not only a wonderful person, she is also great at forgiving.
Today we met Patricia Delzo de Edlmayer at her workshop where I usually see my clients and she showed some of her dresses and jackets. She even provided Claire with some secrets of the trade that hadn't been revealed to her in Paris or London. Yes, Vienna rulez!
Claire told some really interesting stories about her big passion, the Chanel jacket. No, it's not only a quilted Cardigan with bound buttonholes and a chain at the bottom seam. There are a lot of very refined details that makes a Chanel jacket. So I'm looking forward to this autumn when Taunton Press releases her new book which is solely dedicated to her collection of Chanel jackets. I'm sure we will learn a lot from it.
Thank you, Claire. It's been a joy and great honor meeting you.









 








left: Claire and Patricia
 right: Claire and me (in a silly facial expression)

Dienstag, 2. April 2013

Der Mai wird kommen!

Das Wetter weigert sich ja standhaft, sich dem Kalender anzupassen, aber eine weise Braut lässt sich davon nicht entmutigen. Denn der Mai wird schon noch kommen - irgendwann..... :)
Hier mein neuestes Werk. Eine Brautkorsage mit einem ganz entzückenden Spitzenslip. Wie die aufmerksame Leserin bemerkt, habe ich doch wieder zu Schaumstoffcups gegriffen, aber diesmal war die Verarbeitung einfacher. Man lernt ja dazu.



Apropos dazulernen: mein Maschinenpark ist seit heute komplett, sodass ich mich jetzt an BADEMODEN wage. Fotoberichte demnächst.

Samstag, 10. November 2012

Nie mehr Schaumstoffcups!

Als Arnold Schönberg 1911 seine Harmonielehre veröffentlichte, begann er das Vorwort mit dem berühmten Satz: "Dieses Buch habe ich von meinen Schülern gelernt." Dann erzählt er, dass er oft genötigt war, "für jeden Schüler etwas Neues zu erfinden."
Tauschen Sie das Wort "Schüler" gegen "Kundin" aus, und Sie beschreiben meine Arbeitssituation. Keine Kundin gleicht einer anderen und oft sind die Fälle die schwierigsten, die man anfänglich als leicht einschätzt.
Nehmen wir Frau S., deren Anatomie mich an eine Freundin erinnerte. Für sie probierte ich verschiedene Techniken aus, um ihre Oberweite zu vergrößern. Zunächst hoben wir alles an, aber der Unterschied zu einem normalen BH war trotz eingelegter Pushup-Kissen nicht besonders bemerkenswert. Dann schneiderte ich ihr ein aus mehreren Teilen zusammengesetztes Schaumstoffkörbchen, aber die in diesem Material besonders tief liegenden Nähte waren in der Oberkleidung zu sehen. Schließlich nahm ich das am besten sitzende Industrie-Schaumstoffkörbchen und polsterte es innen noch ein wenig aus. Das Ergebnis war diesmal sehr, sehr gut.


ABER es dauerte eine EWIGKEIT, diese BHs zu nähen. Genauer gesagt saß ich exakt fünf Mal so lange an der Nähmaschine, wie für einen BH ohne Schaumstoff, und das Nahtbild entspricht trotzdem nicht meinem üblichen Niveau.

Ich verbuche diese Erfahrung daher als "Lehrgeld" und weiß jetzt, dass ich so ein Projekt nie mehr ohne eine industrielle Spezialmaschine angehen möchte.

Samstag, 15. September 2012

Die Weisheit der Tradition

Es fasziniert mich immer wieder, wie verschieden sich Mode in den diversen Gegenden der Welt entwickelt hat, und wie sie die spezifische Schönheit der regionalen Körpertypen hervorhebt.
Versuchen Sie als Mitteleuropäerin einmal, einen echten Kimono zu tragen. Grauenhaft! Die Proportionen passen einfach nicht, weil Sie für dieses Kleidungsstück zuviel Busen und zu lange Beine haben. Außerdem werden die vornehmen Kimonofarben Sie nur blass machen. Japanerinnen dagegen sehen darin hinreißend aus.
Europas traditionelle Frauenkleidung besteht aus einem anliegenden Brustmieder, mit oder ohne Ärmel, kombiniert mit einem darunter getragenen Hemd und einem weiten Rock, der sowohl Bewegungsfreiheit gibt, als auch den kurvigen Körperbau der Europäerinnen betont.
Abbildungen davon gibt es seit dem Hochmittelalter und sie hat sich in der Tracht, Retromode, Abend- und Hochzeitskleidung bis in die Gegenwart erhalten. Nur in der Businesskleidung macht man einen Bogen darum, weil die Geschäftswelt noch immer männlich konnotiert ist.
Aber sehen wir uns mal einige Oberteile von erneuerten Trachten an (das sind Trachten, die auf historischen Vorbildern beruhen) und lernen wir von deren optischen Tricks. Wo schauen Sie bei den folgenden Modellen hin?



Wetten, beim linken Bild wandert Ihr Blick von oben nach unten und zurück, während er beim rechten Bild an der Halslinie fixiert wird.
Welches Modell wird bei Ihnen besser wohl aussehen, wenn Sie viel Busen haben? Richtig: das linke. Es teilt den Oberteil optisch in zwei schlanke Hälften, während rechts eine breite unstrukturierte Fläche entsteht.
Und wie wird Ihr Blick bei den nächsten beiden Bildern geleitet?


Das linke Oberteil streckt, während das rechte mehr die Querlinien betont. Wenn Sie also einen langen Oberkörper haben, sollten Sie zum rechten Modell greifen, während Sie mit dem linken Modell eine zierlichere Taille zaubern können.

Alle bisherigen Modelle entstehen durch einfache Flächenaufteilungen des links und rechts stehenden Grundschnitts.

Wenn das Leibchen unter dem Busen eng anliegt, kann man es sogar ohne BH tragen, denn es ist nichts anderes als die wichtigste Vorform desselben.

Wem das jedoch zu uninteressant ist, kann mit weiteren Schnittabwandlungen oder Verzierungen experimentieren.











Und wenn die Oberweite noch zusätzliche Centimeter kriegen soll, wird gefältelt und gezogen, dass es eine Freude ist.




 



Ist es nicht bemerkenswert, welche Detailvielfalt sich hier auftut? Da kann sich jede Frau genau jene Kleidungsstücke zusammenbasteln (lassen), die ihre Vorzüge am besten unterstreichen.

Bildnachweis:
SW-Zeichnungen aus "Steirische Frauentrachten" hrsg. Steirisches Heimatwerk. Graz, 1977.
Farbzeichnungen aus "Volkstracht in Niederösterreich. Bildmappe" hrsg. Niederösterreichisches Bildungs- und Heimatwerk. Wien, 1985.








Freitag, 14. September 2012

Designer und Oberweite

Bei einer meiner regelmäßigen Amazon-Recherchen zum Thema BH stieß ich auf das "Bra Book" von Jene' Luciani und Ann Deal und nutzte den "look inside". Im Vorwort der "anderen" Beverly Johnson (jenem legendären 1970er Jahre Fotomodell, nicht der Autorin des "Bra Makers' Manuals") fand sich folgendes interessante Zitat:  "I once overheard a designer say about another model: "Oh, she has these horrible breasts. They are messing up my design; I can't hire her with those big things!""
Liebe Designer! Frauen sind keine Knaben, sondern haben Kurven: Busen, Hüften, Hintern, Schenkel und oft auch Bauch. Wir sind so gebaut. Models, die trotz 1 Meter 80 Körperlänge nur 50 Kilo auf die Waage bringen, sind die Ausnahme unter den Weiben.


Wenn Ihr nur solche Entwürfe zustande bringt, die auf einer überlangen Größe 34 oder 36 gut aussehen, dann ist das ein Zeichen von mangelndem Können und/oder Frauenfeindlichkeit.
Liebe Modeunternehmer! Engagiert mehr weibliche Designer, die ihren Körper lieben und eine schwesterliche Verbundenheit mit allen anderen Frauen empfinden. Nur sie wissen, wie es sich in ihren Entwürfen lebt.
Und liebe Frauen! Kauft nurmehr solche Sachen, die Euch stehen und passen. Oder besser: werdet Kundin eines Maßsalons. Dort kosten die Sachen zwar viel mehr als das Durchschnittszeug von der Stange, aber sie sind es definitiv wert.

Donnerstag, 19. Juli 2012

Der älteste BH der Welt

Bekanntlichermaßen tobt ein erbitterter Streit darum, wer den BH erfunden hat - oft auch mit nationalistischen Untertönen. Die Amerikanerin Mary Phelps-Jacob? Die Französin Herminie Cadolle? Oder doch die Deutsche Christine Hardt?
Weit gefehlt: es war wohl eine Österreicherin. Jener BH-Fund aus dem Schloss Lengberg, der schon 2008 eine Sensation war, konnte nun mithilfe der C14-Methode auf 1480 datiert werden. WIR hatten die Nase um 400 Jahre vorne :))
Welch eine Wohltat nach einer für UNS so unrühmlich verlaufenen Fußball-EM. (Für Nicht-Österreicher: WIR schafften die Qualifikation nicht. Warum gibt es auch so unnötige Sportarten neben dem Schifahren?)

Mein ästhetisches Geheimnis: Ikebana

LeserInnen des Blogs und BesucherInnen meiner Homepage ahnten es wohl bereits, dass ich eine Liebhaberin klassischer Kunst bin. Ich gebe es gerne zu. Ich liebe europäische Kunst und fröne darüberhinaus einem seltenen Hobby, das meine Ästhetik und Geistesdisziplin enorm beeinflusst: ich übe Ikebana.
Genauer gesagt Ikenobô-Ikebana, die älteste, traditionsreichste und in Japan renommierteste Richtung des Ikebana. (Tragen Sie in Japan einmal Ihre Einkäufe in einem Ikenobô-Sackerl spazieren und Sie werden sich wundern, wieviele bewundernde Verbeugungen und eingesogene "Ohh"s Sie dafür ernten, auch als NichtjapanerIn......)
Ikebana-Arrangements unterscheiden sich wesentlich von europäischer Floristik. Symmetrie Marke "ein Blumenstrauß für die Kanzlerin" ist verpönt, man kommt mit viel weniger Material aus, lässt den freien Raum wirken und arrangiert die Pflanzen gemäß ihrer Natur. So werden sie "zur schönsten/lebendigen Gestalt" gebracht.
Zwar gibt es genaue Regeln, wie z.B. ein Denka-Shôka mit Aspidistra auszusehen hat, aber da das Blumenmaterial jedes Mal ein wenig anders gewachsen ist, werden die Regeln immer so weit adaptiert, dass das Arrangement harmonisch wirkt. Mir gelingt dies am besten, wenn ich mich beim Arrangieren in die Blumen hineinversetze und fast intuitiv handle. Meine japanische Lehrerin, Prof. Shûsui Pointner-Komoda, pflegt das so zu formulieren: "Sind die Blumen glücklich? Freuen sie sich?"
Dieses Prinzip des Sich-Hineinversetzens in das Material und des "Innenhaltens im richtigen Moment" (shibumi) ist mir mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen, sodass ich es auch bei der Kreation meiner Lingerie anwende. Wieviel muss ich wo dazugeben, dass der Gesamteindruck weder langweilig noch überladen wird? Welche Farbenkombinationen wirken gut mit dem Hautton der Kundin? Wie spricht das Material zu mir? Und wenn eine Kreation gelungen ist, erhalte ich dieselbe Bestätigung wie bei einem gelungenen Arrangement: einen ruhigen und friedvollen Geist.