Bekanntlichermaßen tobt ein erbitterter Streit darum, wer den BH erfunden hat - oft auch mit nationalistischen Untertönen. Die Amerikanerin Mary Phelps-Jacob? Die Französin Herminie Cadolle? Oder doch die Deutsche Christine Hardt?
Weit gefehlt: es war wohl eine Österreicherin. Jener BH-Fund aus dem Schloss Lengberg, der schon 2008 eine Sensation war, konnte nun mithilfe der C14-Methode auf 1480 datiert werden. WIR hatten die Nase um 400 Jahre vorne :))
Welch eine Wohltat nach einer für UNS so unrühmlich verlaufenen Fußball-EM. (Für Nicht-Österreicher: WIR schafften die Qualifikation nicht. Warum gibt es auch so unnötige Sportarten neben dem Schifahren?)
Donnerstag, 19. Juli 2012
Mein ästhetisches Geheimnis: Ikebana
LeserInnen des Blogs und BesucherInnen meiner Homepage ahnten es wohl bereits, dass ich eine Liebhaberin klassischer Kunst bin. Ich gebe es gerne zu. Ich liebe europäische Kunst und fröne darüberhinaus einem seltenen Hobby, das meine Ästhetik und Geistesdisziplin enorm beeinflusst: ich übe Ikebana.
Genauer gesagt Ikenobô-Ikebana, die älteste, traditionsreichste und in Japan renommierteste Richtung des Ikebana. (Tragen Sie in Japan einmal Ihre Einkäufe in einem Ikenobô-Sackerl spazieren und Sie werden sich wundern, wieviele bewundernde Verbeugungen und eingesogene "Ohh"s Sie dafür ernten, auch als NichtjapanerIn......)
Ikebana-Arrangements unterscheiden sich wesentlich von europäischer Floristik. Symmetrie Marke "ein Blumenstrauß für die Kanzlerin" ist verpönt, man kommt mit viel weniger Material aus, lässt den freien Raum wirken und arrangiert die Pflanzen gemäß ihrer Natur. So werden sie "zur schönsten/lebendigen Gestalt" gebracht.
Zwar gibt es genaue Regeln, wie z.B. ein Denka-Shôka mit Aspidistra auszusehen hat, aber da das Blumenmaterial jedes Mal ein wenig anders gewachsen ist, werden die Regeln immer so weit adaptiert, dass das Arrangement harmonisch wirkt. Mir gelingt dies am besten, wenn ich mich beim Arrangieren in die Blumen hineinversetze und fast intuitiv handle. Meine japanische Lehrerin, Prof. Shûsui Pointner-Komoda, pflegt das so zu formulieren: "Sind die Blumen glücklich? Freuen sie sich?"
Dieses Prinzip des Sich-Hineinversetzens in das Material und des "Innenhaltens im richtigen Moment" (shibumi) ist mir mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen, sodass ich es auch bei der Kreation meiner Lingerie anwende. Wieviel muss ich wo dazugeben, dass der Gesamteindruck weder langweilig noch überladen wird? Welche Farbenkombinationen wirken gut mit dem Hautton der Kundin? Wie spricht das Material zu mir? Und wenn eine Kreation gelungen ist, erhalte ich dieselbe Bestätigung wie bei einem gelungenen Arrangement: einen ruhigen und friedvollen Geist.
Genauer gesagt Ikenobô-Ikebana, die älteste, traditionsreichste und in Japan renommierteste Richtung des Ikebana. (Tragen Sie in Japan einmal Ihre Einkäufe in einem Ikenobô-Sackerl spazieren und Sie werden sich wundern, wieviele bewundernde Verbeugungen und eingesogene "Ohh"s Sie dafür ernten, auch als NichtjapanerIn......)
Ikebana-Arrangements unterscheiden sich wesentlich von europäischer Floristik. Symmetrie Marke "ein Blumenstrauß für die Kanzlerin" ist verpönt, man kommt mit viel weniger Material aus, lässt den freien Raum wirken und arrangiert die Pflanzen gemäß ihrer Natur. So werden sie "zur schönsten/lebendigen Gestalt" gebracht.
Zwar gibt es genaue Regeln, wie z.B. ein Denka-Shôka mit Aspidistra auszusehen hat, aber da das Blumenmaterial jedes Mal ein wenig anders gewachsen ist, werden die Regeln immer so weit adaptiert, dass das Arrangement harmonisch wirkt. Mir gelingt dies am besten, wenn ich mich beim Arrangieren in die Blumen hineinversetze und fast intuitiv handle. Meine japanische Lehrerin, Prof. Shûsui Pointner-Komoda, pflegt das so zu formulieren: "Sind die Blumen glücklich? Freuen sie sich?"
Dieses Prinzip des Sich-Hineinversetzens in das Material und des "Innenhaltens im richtigen Moment" (shibumi) ist mir mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen, sodass ich es auch bei der Kreation meiner Lingerie anwende. Wieviel muss ich wo dazugeben, dass der Gesamteindruck weder langweilig noch überladen wird? Welche Farbenkombinationen wirken gut mit dem Hautton der Kundin? Wie spricht das Material zu mir? Und wenn eine Kreation gelungen ist, erhalte ich dieselbe Bestätigung wie bei einem gelungenen Arrangement: einen ruhigen und friedvollen Geist.
Mittwoch, 13. Juni 2012
Maßkleidung, Maßkonfektion, Konfektion
Zwar habe ich schon mehrmals zum Thema gepostet, aber es hat sich in mittlerweile vielen Gesprächen gezeigt, dass die Grenzen zwischen Konfektion, Maßkonfektion und Maßkleidung den meisten Menschen nicht mehr bewusst sind. Daher erlaube ich mir heute eine grundsätzliche Klärung.
Fall 1: Sie gehen in ein Kaufhaus oder eine Boutique und kaufen sich dort ein Hemd, ein Kostüm, eine Hose. Die Wahrscheinlichkeit, dass Ihnen das Teil nicht wirklich passt, ist sehr groß, denn Konfektion beruht auf Schnitten für einen standardisierten Körper, den die wenigsten von uns besitzen.
Bessere Häuser beschäftigen zwar auch ÄnderungsschneiderInnen, die Ihre Kleidungsstücke enger nähen oder kürzen, aber trotzdem tragen Sie noch immer Konfektion oder "ready-to-wear". Selbst wenn sich der Erzeuger einen berühmten Couture-Namen dazugekauft hat.
Fall 2: Sie sind in Asien auf Urlaub und bestellen einen Anzug oder ein Kostüm bei einem der berühmt billigen Schneider. Im Laden wählen Sie Stoff, Futter und Knöpfe aus, der Ladenbesitzer nimmt Ihre Maße und am selben oder am nächsten Tag holen Sie die fertigen Stücke ab.
Falls Sie der Meinung sind, Sie hätten sich damit einen Maßanzug oder ein Maßkostüm zugelegt, muss ich Sie enttäuschen: hier handelt es sich ebenfalls um Konfektion.
Zwar wurden der Anzug/das Kostüm einzeln und aus den gewählten Materialien angefertigt, die Schnitte und die Fertigungsschritte sind jedoch industriell.
Fall 3: Sie besuchen einen Maßkonfektionär und bestellen dort Anzug oder Kostüm. Man legt Ihnen eine große Auswahl an Schnitten, Stoffen und Zubehör vor und nimmt Maß. Der fertige Schnitt Ihres gewählten Modells wird auf Ihre Maße abgeändert und die Herstellung erfolgt teils mit industriellen Methoden (geklebte oder maschinell fixierte Einlagen, Maschinennähte), teils mit Handarbeit. Meistens wird gegen Ende des Herstellungsprozesses eine Anprobe angesetzt, bei der Passform und Bequemlichkeit überprüft werden.
Bessere Prêt-à-porter und einige berühmte Schneider wie Brioni oder Knize bieten solche Fertig- oder Bestellware an, die zwar handwerklich gut gearbeitet sein kann, aber nicht die Individualität und perfekte Passform echter Maßkleidung bieten kann.
Fall 4: Sie entscheiden sich für wirkliche Maßkleidung. Zunächst erleben Sie dieselbe Prozedur des Maßnehmens, der Schnittbesprechung und der Materialauswahl, aber im Anschluss wird ein individueller Schnitt für Sie gezeichnet, der Ihre körperlichen Besonderheiten berücksichtigt.
Alle Materialien werden von Hand zugeschnitten, die Einlagen ebenso händisch mit dem Oberstoff verbunden und schließlich alle Nähte provisorisch geschlossen. In mehreren Anproben wird der Schnitt so weit adaptiert, dass er wie angewachsen passt.
Bei der Fertigung kommen vor allem Näh- und Bügeltechniken von Hand zum Einsatz, weil sich nur dadurch absolute Präzision bei gleichzeitiger "Lebendigkeit" erreichen lässt.
Die französische Haute Couture und das englische Bespoke Tailoring gelten als Gralshüter der hohen Schneiderkunst, aber gerade in den letzten Jahren erlebt die Maßschneiderei auch in anderen Ländern wie Österreich eine wahre Renaissance. Es darf also wieder auf gut sitzende Kleidung gehofft werden....
Fall 1: Sie gehen in ein Kaufhaus oder eine Boutique und kaufen sich dort ein Hemd, ein Kostüm, eine Hose. Die Wahrscheinlichkeit, dass Ihnen das Teil nicht wirklich passt, ist sehr groß, denn Konfektion beruht auf Schnitten für einen standardisierten Körper, den die wenigsten von uns besitzen.
Bessere Häuser beschäftigen zwar auch ÄnderungsschneiderInnen, die Ihre Kleidungsstücke enger nähen oder kürzen, aber trotzdem tragen Sie noch immer Konfektion oder "ready-to-wear". Selbst wenn sich der Erzeuger einen berühmten Couture-Namen dazugekauft hat.
Fall 2: Sie sind in Asien auf Urlaub und bestellen einen Anzug oder ein Kostüm bei einem der berühmt billigen Schneider. Im Laden wählen Sie Stoff, Futter und Knöpfe aus, der Ladenbesitzer nimmt Ihre Maße und am selben oder am nächsten Tag holen Sie die fertigen Stücke ab.
Falls Sie der Meinung sind, Sie hätten sich damit einen Maßanzug oder ein Maßkostüm zugelegt, muss ich Sie enttäuschen: hier handelt es sich ebenfalls um Konfektion.
Zwar wurden der Anzug/das Kostüm einzeln und aus den gewählten Materialien angefertigt, die Schnitte und die Fertigungsschritte sind jedoch industriell.
Fall 3: Sie besuchen einen Maßkonfektionär und bestellen dort Anzug oder Kostüm. Man legt Ihnen eine große Auswahl an Schnitten, Stoffen und Zubehör vor und nimmt Maß. Der fertige Schnitt Ihres gewählten Modells wird auf Ihre Maße abgeändert und die Herstellung erfolgt teils mit industriellen Methoden (geklebte oder maschinell fixierte Einlagen, Maschinennähte), teils mit Handarbeit. Meistens wird gegen Ende des Herstellungsprozesses eine Anprobe angesetzt, bei der Passform und Bequemlichkeit überprüft werden.
Bessere Prêt-à-porter und einige berühmte Schneider wie Brioni oder Knize bieten solche Fertig- oder Bestellware an, die zwar handwerklich gut gearbeitet sein kann, aber nicht die Individualität und perfekte Passform echter Maßkleidung bieten kann.
Fall 4: Sie entscheiden sich für wirkliche Maßkleidung. Zunächst erleben Sie dieselbe Prozedur des Maßnehmens, der Schnittbesprechung und der Materialauswahl, aber im Anschluss wird ein individueller Schnitt für Sie gezeichnet, der Ihre körperlichen Besonderheiten berücksichtigt.
Alle Materialien werden von Hand zugeschnitten, die Einlagen ebenso händisch mit dem Oberstoff verbunden und schließlich alle Nähte provisorisch geschlossen. In mehreren Anproben wird der Schnitt so weit adaptiert, dass er wie angewachsen passt.
Bei der Fertigung kommen vor allem Näh- und Bügeltechniken von Hand zum Einsatz, weil sich nur dadurch absolute Präzision bei gleichzeitiger "Lebendigkeit" erreichen lässt.
Die französische Haute Couture und das englische Bespoke Tailoring gelten als Gralshüter der hohen Schneiderkunst, aber gerade in den letzten Jahren erlebt die Maßschneiderei auch in anderen Ländern wie Österreich eine wahre Renaissance. Es darf also wieder auf gut sitzende Kleidung gehofft werden....
Donnerstag, 8. März 2012
BHs verbrennen
Wieder einmal ist Frauentag. Ein großer imaginärer Blumenstrauß an die Schwestern der ersten und der zweiten Frauenbewegung: ohne sie und ihren Mut wären wir nicht dort, wo wir glücklicherweise sind. Und sie inspirieren uns weiterzukämpfen.
Ein zweiter Blumenstrauß den Brüdern, die uns auf dem Weg unterstützen, der noch zu gehen ist. Burschen, wir lieben Euch!
Eine der legen- dären feministi- schen Aktionen, bei der ich sehr gerne dabei ge- wesen wäre, war die öffentliche BH -Verbrennung an- lässlich der Miss America Wahl 1968. Historisch belegt ist eigent- ich nur, dass die Demonstrantinnen BHs, Mieder- höschen, Strapse, Strümpfe, Stöckel- schuhe und andere (zu dieser Zeit üblicherweise) einengende Kleidungsstücke in eine Abfalltonne warfen. Ob es dann tatsächlich ein Feuer gab, ist unklar. Aber der Mythos der Verbrennaktion war schnell geboren: in ironischer Umkehrung wurden nicht mehr aufmüpfige Frauen als Hexen verbrannt, sondern verbrannten die "Hexen" jetzt selbst die Symbole ihrer Unterdrückung. Wohin sollte das alles bloß führen? :))
Auf meinem Lieblingsfoto tragen Frauen Schilder mit einer Aufforderung,
die bis heute aktuell geblieben ist: Let's judge ourselves as people. Dem ist nichts hinzuzufügen.
Freitag, 10. Februar 2012
Spitzen
Immer wenn ich bei meiner Haus- und Hofdealerin in der Spitzenkammer stehe, muss ich meinen Geldbeutel mit Gewalt in der Tasche halten. Zu verlockend ertönt der Sirenengesang: greif mich an, kombinier mich, nimm mich mit.
Speziell Tüllspitzen haben es mir angetan mit ihrer Zartheit und den oft barocken Mustern ihrer Stickerei. Wenn der Tüll kräftig genug ist, können damit sogar ungefütterte Cups genäht werden. Ungemein sexy.
Kennt jemand einen weiblicheren Stoff? OK, vor 400 Jahren waren Spitzen auf Krägen für Männlein und Weiblein zu finden, aber heutezutage trägt sowas unter Männern nurmehr Austin Powers. Sogar Elton John hat ihnen mittlerweile abgeschworen.
Spitzen sind also was für Frauen. Aber auch da nurmehr in wenigen Bereichen. Hand aufs Herz: wann habt Ihr das letzte Mal eine Spitzenbluse getragen? Mein letztes Mal war während der 1970er Jahre. Flohmärkte, Ibiza-Mode und die Zeitschrift "100 idées", die mich vom Landleben in der Provence träumen ließ.... (Damals versuchte ich mich auch an dieser Dachrinnen-Fönfrisur aus "Drei Engel für Charlie". Kreisch!)
Abgesehen von Abendkleidern bleiben also für Spitzen nur mehr wenige Verwendungsmöglichkeiten übrig: Vorhänge, Tischwäsche - und Dessous.
Da ich selber tagsüber einem sportlich-praktischen Kleidungsstil anhange, gönne ich mir sehr gern als Ausgleich ein üppig verziertes Darunter, das mir wohl niemand zutrauen würde. Macht nix: ICH habe meine Freude daran und es gibt mir ein gutes Gefühl, dieses Geheimnis zu hüten, von dem nur ich und ein ausgesuchtes Paar Augen wissen.
Als Japan-Fan und Ikebana-Aficionada erinnert mich das an das Prinzip der versteckten Schönheit. Es ist durchaus üblich, dass Japanerinnen für den Futterstoff eines Kimono Tausende Dollar ausgeben, obwohl der Betrachter vom Kimonofutter nur einen Rand erspähen kann. Wichtig ist, dass sich die Trägerin des Kimono des Schatzes bewusst ist, den sie unter ihrer Kleidung trägt.
Mit meinen Dessous versuche ich genau diesen Effekt hervorzurufen. Kein Wunder also, dass sich meine Spitzensammlung ständig vergrößert........
Speziell Tüllspitzen haben es mir angetan mit ihrer Zartheit und den oft barocken Mustern ihrer Stickerei. Wenn der Tüll kräftig genug ist, können damit sogar ungefütterte Cups genäht werden. Ungemein sexy.
Kennt jemand einen weiblicheren Stoff? OK, vor 400 Jahren waren Spitzen auf Krägen für Männlein und Weiblein zu finden, aber heutezutage trägt sowas unter Männern nurmehr Austin Powers. Sogar Elton John hat ihnen mittlerweile abgeschworen.
Abgesehen von Abendkleidern bleiben also für Spitzen nur mehr wenige Verwendungsmöglichkeiten übrig: Vorhänge, Tischwäsche - und Dessous.
Da ich selber tagsüber einem sportlich-praktischen Kleidungsstil anhange, gönne ich mir sehr gern als Ausgleich ein üppig verziertes Darunter, das mir wohl niemand zutrauen würde. Macht nix: ICH habe meine Freude daran und es gibt mir ein gutes Gefühl, dieses Geheimnis zu hüten, von dem nur ich und ein ausgesuchtes Paar Augen wissen.
Mit meinen Dessous versuche ich genau diesen Effekt hervorzurufen. Kein Wunder also, dass sich meine Spitzensammlung ständig vergrößert........
Montag, 2. Januar 2012
Körpertypen
Sie hätte meine Kunst, ehrlich gesagt, nicht benötigt: die Venus von Milo. Dieser Glücklichen wären all die wunderbaren Marken offen gestanden, die uns Normalsterblichen verschlossen sind, weil sie für einen sehr eingeschränkten Größenbereich produzieren: Aubade, La Perla und vor allem Agent Provocateur, meine großen Vorbilder.
Wer aber das Pech hat, wie Artemisia Gentilleschis Danae auszusehen, für diejenige sind Probleme beim BH-Kauf vorprogrammiert. Zwar passen die Körbchen der Industrie-BHs einzeln genommen, aber sie sind zu eng aneinander platziert. Zwischen den Mädels wird zu wenig Platz gelassen und die Bügel bohren sich daher ins Brustgewebe.
Albrecht Dürers Eva hingegen könnte durchaus Industrie-BHs tragen - solange sie sich nicht bewegt. Schon bei ganz alltäglichen Bewegungen werden ihr allerdings die Träger von den abfallenden Schultern sehr schnell herunterrutschen, weshalb für sie die Trägerführung geändert werden muss.
Die Anatomie der Karyatiden aus dem Großen Musikvereinssaal in Wien dürfte zwar der Fantasie des Bildhauers entsprungen sein, kann aber heutezutage mittels Brustimplantaten durchaus Realität werden (auf der Homepage des Musikvereins in einer noch besseren Perspektive zu sehen). Körbchen D oder größer und sehr hoch sitzende Brustpitzen? Kein Thema für die Industrie.
Schließlich Artemisisa Gentilleschi höchstpersönlich. Ein wunderbar voller Busen. der hier von einem Schnürleibchen oder Korsett gestützt wird. Aber wer trägt schon im Alltag Korsett? Größere Bequemlichkeit gibt ein BH, und seine Erfindung wurde auch tatsächlich als gesundheitlich und gesellschaftliche Befreiung gefeiert. Ab Größe 90 und Cup D schaut es mit dem industriellen Angebot jedoch traurig aus.
Ich muss es daher ganz deutlich aussprechen: die Industrie fabriziert ganz wunderbare Dessous für Frauen mit idealisierten Körpern. Aber wer es wagt, von diesem Ideal abzuweichen, hat zur Strafe meistens nur mehr die Wahl zwischen zwickenden, langweiligen oder hässlichen BHs.
Zeit also umzudenken. Nicht der Körper muss der Kleidung angepasst werden (wie von Elsa Schiaparelli gefordert), sondern die Kleidung dem Körper. Zeit also für Maßkleidung und Dessous nach Maß.
Samstag, 17. Dezember 2011
Der gut sitzende BH
Was bringt den besten Maßschneider zur Verzweiflung? Eine Kundin, die bei einem offiziellen Anlass einen anderen BH anzieht als denjenigen, mit dem sie zu den Anproben gekommen ist.
Hier ein paar Fotos von einer bekannten Dame, deren Kleidung in Maßateliers gefertigt wird. Bei welchem Outfit hat sie in der Früh zum falschen Darunter gegriffen?
Auflösung: bei dem goldenen Doppelreiher, der blauen und der violetten Jacke. Beeindruckend, nicht wahr? Der falsche BH führt zu klaffenden Knopfleisten und Spannungsfalten zwischen Armloch und Oberweite. Die Gesamterscheinung wird schlampig und plump. Sowas hat doch keine Frau nötig! Bei der beigen und der grauen Jacke hingegen passt alles.
Naja, auch nicht alles, aber an diesen Katastrophenärmeln ist nicht die Trägerin, sondern der Schneider schuld. Der Vergleich macht sicher: hier ein wahres Meisterwerk englischer Provenienz.
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